und mich verbindet eine Freundschaft, angefangen von der Grundschule bis zum heutigen Tag.
Wir haben im Galiläischen Zweig der Schnellerschule in Nazareth gemeinsam die Schulbank gedrückt.
Später waren wir in der Evangelisch lutherischen Schule in Bethlehem zusammen. Und gemeinsam
besuchten wir auch die Johann Ludwig Schnellerschule im Libanon bis zum Abitur.
Neben den im Lehrplan vorgeschriebenen Fächern legte Hermann Schneller u.a. großen Wert auf die
Musik. Jeder Schüler musste neben dem Harmoniumspiel (um die Gottesdienste begleiten zu können)
noch ein anderes Instrument erlernen. Basil Rischmaui wählte die Tuba, die er mit Leidenschaft
spielte.
Diese Leidenschaft begleitet ihn noch heute. Seit Jahren ist er Mitglied im Posaunenchor seines
Wohnortes. Schon als Schüler hat er sich im Interesse der Allgemeinheit für die Anderen eingesetzt.
Während seines Studiums und Berufslebens hat er sich um regelmäßige Treffen mit allen in
Deutschland lebenden ehemaligen Schnellerschülern bemüht. Mit seiner Frau zusammen war er
federführend bei der Organisation dieser Zusammenkünfte. In der jüngsten Vergangenheit hat er
seine Kontakte zu ehemaligen Schülern ausgeweitet und im letzten Jahr das Treffen in Kanada
besucht. Der Flug für das nächste Treffen vom 19. bis 21. Juni in Kanada ist ebenfalls schon
gebucht. Regelmäßig besucht er auch die Schulen in Khirbet Kanafar und Amman.
So waren wir ehemaligen Schnellerschüler sehr damit einverstanden, als er sich im Herbst 2007
bereit erklärt hat, Mitglied im Vorstand des Evangelischen Vereins für die Schnellerschulen
und im Kuratorium zu werden. Herr Rischmaui hat den „Schnellergeist“ im positiven Sinne
verinnerlicht. Er setzte sich und setzt sich weiterhin für die Institution Schnellerschule mit
ihren Absolventen ein. Er nimmt den sozialdiakonischen Auftrag ernst, der uns Schülern von
Hermann Schneller stets vorgelebt wurde.
Zum 150 jährigen Jubiläum des Syrischen Waisenhauses im Jahre 2010 arbeitet Basil Rischmaui an der
Entstehung eines Mosaik-Projekts, um den Schulen zu diesem Geburtstag ein schönes Geschenk machen
zu können. Daran sollen sich möglichst viele Leserinnen und Lesern beteiligen.
Die Modalitäten dieses Projektes sind im Internet unter
www.schneller-mosaik.de nachzulesen.
Mit diesem Programm wird eine beachtliche Spende für beide Schulen erwartet.
Die Arbeit der Schnellerschulen ist auch heute angesichts der leidvollen politischen und
sozialen Situation im Libanon und in Jordanien außer Frage gestellt.
Prof.Dr.Samir Akel
Musikunterricht in der Johann-Ludwig Schneller Schule
Musiklehre und Musik spielen gehören im Internat der Johann-Ludwig Schneller Schule (JLSS)
in Khirbet Kanafar/Libanon zur Kunst als ein Bestandteil des schulischen Unterrichts. Das ist
obligatorisch. Musiklehre und Musik spielen gehörten dazu, weil sie eine Missionsschule ist.
Zuerst beginnen die Kinder in den ersten Klassen (1.- 3. oder 4. Klasse) mit Singen. Es gab eine
Singstunde für uns. Man soll die Kirchenlieder gut lernen und singen können nicht nur für den
Gottesdienst in der Kirche, aber auch um später Kirchenmusik zu lernen. Jede Klasse war ein Chor
für sich. In der Singstunde, mindestens einmal in der Woche, lernen die Kinder die Kirchenlieder
mit ihren Texten und ihren Melodien, denn das gehört zur kirchlichen Liturgie. Hier beginnen sie
zu lernen, wie sie zwischen den verschiedenen Tönen in der musikalischen Scala unterscheiden
können.
Der Pfarrer begleitete sie auf Harmonium oder Klavier. In jeder Klasse stand ein Harmonium zur
Verf¸gung. In der Kirche gab es (und gibt es immer noch heute) einen grossen Orgel, aber nicht
jeder konnte drauf üben. Zu meiner Zeit (1956 – 1973) war Pfarrer Gabriel Zabaneh der Musiklehrer
und der Kirchenchorleiter. Die Kirchenlieder waren nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Arabisch
zu lernen und zu singen. In solch einer Singstunde lernten wir die verschiedenen Töne:
c, d, e, f, g, a, h, c bzw. do, re, mi, fa, so, la, ti, do und übten uns darin.
Das Lernen vom Singen der Kirchenlieder war nur der erste Schritt. Die Musiktheorie, d.h.
Musiklehre kam selbstverständlich gleich danach. Hier lernten wir Noten erkennen und lesen.
Dazu gehörten das 5-Liniensystem mit den verschiedenen Noten, ihrer Dauer und ihrem Wert und
all dem, was dazu gehört. Ein „musikalisches Ohr“ war notwendig.
Ein Musikstück soll der Schüler bzw. die Schülerin gut lesen können, um es eventuell zu spielen.
Das war notwendig, um ein Musikinstrument zu spielen. Jeder Schüler bzw. jede Schülerin soll
wenigstens ein Musikinstrument spielen können. Das Ziel des Musikunterrichts war, dass man allein
den Schluss eines Kirchenliedes komponieren und spielen konnte.
Neben den Chören in den Klassen gab es für die Schule einen Singchor mit den üblichen 4 Stimmen.
Während die Sing- bzw. Musikstunde im Verlauf des schulischen Tages in der Klasse gegeben wurden,
war das üben auf solch einem Instrument eine eigene Sache und nach der Schulzeit bzw. in der
Freizeit zu tun.
Mindestens ein Musikinstrument soll man spielen können. Man konnte Orgel, Klavier, eine Flöte
oder eine Posaune aussuchen. In dieser Zeit, d.h. nach der 5. oder 6. Klasse sollte man imstande
sein, zwischen F- und C-Flöte unterscheiden können und diese auch zu spielen beginnen.
Neben dem Kirchenchor gab es auch einen Posaunenchor. Die Schüler, die sich im Posaunen auszeichnen
konnten, kamen direkt in den Chor, ob Sopran, erste Stimme, oder Alt, 2.Stimme, Tenor, 3. Stimme
oder Bass, 4. Stimme.
Noch andere zeichneten sich in Orgel oder Klavier aus. Solche Orgelspieler spielten für den
Gottesdienst morgens oder abends bzw. am Sonntag. Einige der Schüler interessierten sich für das
arabische Musikinstrument „ Odd „, eine Art Gitarre, aber es hat sich nicht durchgesetzt und
blieb sekundär.
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich, als ich noch in der Primarschule war, ein Jahr lang
Musikunterricht im Singen vom Herrn Adalbert Scheider erteilt bekommen. Adalbert Scheider hatte
zuvor die 12te Klasse in der Schule beendet und wollte seine Karriere als Lehrer noch in der
Schule beginnen. „Kein schöner Land...“ war eine der Lieder, die er uns lehrte.
Auf Arabisch übersetzt liess es sich so reimen:
Zwar waren die Zeugnisnoten f¸r Singen und Musikinstrumentspielen nicht entscheidend für das
Libanesische Schulsystem und seine Prüfungen, aber für die Ausbildung in der JLS waren sie
unabdingbar wichtig.
Wie es sich denkt, waren dann die Musikkomponisten Bach, Händel, Mozart, Beethoven usw sehr
bekannt und beliebt. Die Ausbildung in Musiklehre und Musikspielen war ausreichend, dass man
später an einer Musikhochschule sich ausbilden liess.