Das Syrische Waisenhaus – Vom Gründer zu den Enkeln

Johann Ludwig Schneller (1820 – 1896..), lange Jahre engagierter Pädagoge in Württemberg, gründete 1860 das Syrische Waisenhaus in Jerusalem, das rasch zu einem großen Werk heranwuchs. Es umfasste Kleinkinderbetreuung – Elementarschule – Oberschule – Blindenschule - Lehrerausbildung – div. Werkstätten mit Lehrlingsausbildung – Berufsschule – kaufm. Ausbildung, landwirtschftliche Ausbildung.

Seine Pädagogik gründete auf einem tatkräftigen Christentum. Er legte großen Wert darauf, dass seine Schützlinge die Anstalt mit einem erlernten Beruf und einer entsprechenden Arbeitshaltung und Verantwortung für die Gemeinschaft verließen. Sie sollten evangelische Gemeinden bilden, von denen das Wort Gottes weiter getragen werden konnte.

Der älteste Sohn Theodor Schneller, der zunächst zum Volksschullehrer ausgebildet worden war und dann in Tübingen Theologie studiert hatte, kehrte nach dem Abschluss seiner Ausbildung in Deutschland zum Syrischen Waisenhaus in Jerusalem zurück und diente 10 Jahre lang unter seinem Vater als Inspektor. Nach dessen Tod (1896) übernahm er die Leitung der Anstalt. Er hat das Werk im Sinne seines Vaters weitergeführt und ausgebaut. Unter seiner Leitung wurden die verschiedenen Gruppen und Ausbildungszweige der Anstalt in Jerusalem ausgegliedert und die Zweiganstalten in Bir Salem (1908) und Nazareth (1910) gegründet.

Der Enkel des Gründers und ältester Sohn von Theodor, Hermann Schneller, kehrte nach Beendigung seines Theologiestudiums in Deutschland nach Jerusalem zurück. Auch er unterstützte einige Jahre seinen Vater bei der Leitung der Anstalt, bevor er dessen Nachfolger wurde.

1952 gründete Hermann Schneller – 1949 aus der Internierung in Australien zurückgekehrt – in Khirbet Kanafar / Libanon die Johann Ludwig Schnellerschule, Diese Arbeit versteht sich als Fortsetzung der Ideen des Gründers des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem.

Hermann Schneller war stets bestrebt, das Bewahrenswerte zu erhalten und die Gedanken des Gründers zeitgemäß zu verwirklichen.

Trotz oft nicht ausreichender Mittel hatte er neue für die Institution lebensnotwendige Bereiche in Gang gesetzt. So war die Schule immer auf der Höhe der Anforderungen der Gesellschaft im Libanon. Aus eigenem Erleben kann ich bestätigen, dass Hermann Schneller den sozialdiakonischen Auftrag gelebt hat, indem er sich dem Einzelnen zugewendet hat. Er hat sich Gedanken gemacht über die Zukunft eines jeden Schülers. Während der Ausübung ihres Berufs außerhalb der Institution machte er regelmäßig Besuche und selbst während des Studiums im Ausland war ein reger Briefverkehr zwischen ehemaligem Schüler und Direktor die Norm.

Im Jahre 1956 gründete Ernst Schneller, der Bruder Hermanns, der längere Zeit als Ingenieur den Werkhof der Anstalt in Jerusalem geleitet hatte, die Theodor Schnellerschule in Amman / Jordanien.

Allen Schnellers war der „Samariterdienst“, d.h. Hilfe in der speziellen Not, ein Maßstab ihres Handelns. Durch ihr Tun haben sie auf die Würde des „armen Menschen“ hingewiesen.

Zusammenfassend kann man festhalten: Es sollte in den Bildungsprozessen sichergestellt werden, dass die Entfaltung des ganzen Menschen gewährleistet und die wechselseitige Beziehung seiner spirituellen, physischen, mentalen und emotionalen Komponente berücksichtigt wird.

Abschließend ein Zitat von Hermann Schneller aus der Festschrift zum 90. Jahrestag der Gründung des Syrischen Waisenhauses aus dem Jahr 1950: Es ist christliche Verpflichtung, unter Negierung eigener Bedürfnisse und Ängste zu helfen, wo Not vorhanden ist. ….“So ist denn eine solche Anstalt ein Zeugnis für die Liebe Christi, die uns wiederum antreibt, an denen Liebe zu üben, die ihrer besonders bedürfen; sie ist „ein Zeugnis“, das seinen Namen verkündet.“

 

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